Die Queen von Ingolstadt

WIE VIER TASSEN GLÜCK EIN NEUES ZUHAUSE ERZÄHLENWie vier Tassen Glück ein neues Zuhause erzählen

WoFA-Beraterin Tina Eichmann berichtet vom Standort Ingolstadt

Manchmal verändert ein einziger Moment alles. Der Moment, in dem jemand begreift: Ich muss mich nicht dem Schicksal ergeben. Ich kann etwas tun. Diesen Moment erlebe ich in der Beratung immer wieder – und jedes Mal berührt er mich aufs Neue.

So auch bei einer alleinerziehenden Frau mit afrikanischem Migrationshintergrund, die mich Ende Januar 2026 kontaktierte. Seit zwei Jahren lebte sie in einer Notunterkunft. Als sie sich bei mir meldete, klang sie verzweifelt.

Ihre Sprachnachricht war kurz und ging mir daher nahe: „If you could help me with the house, I would be very happy. I need to move out here.“

Also legten wir los. Wir beantragten gemeinsam den Wohnberechtigungsschein. Zwischendurch wurde sie unsicher – alle Unterlagen waren eingereicht, die Gebühr bezahlt, aber vom Wohnungsamt kam einfach kein Bescheid. Trotzdem wollte sie am Ball bleiben. Sie wollte die Abläufe verstehen, auch wenn vieles neu und fremd für sie war. Und sie freute sich über meine Begleitung auf ihrem Weg.

Als der Bescheid endlich kam, half mein Kollege Johannes Schweizer ihr mit dem Online-Portal der Wohnungsbaugesellschaft. Am 18. Februar kam der erste Wohnungsvorschlag. Sie bekundete sofort Interesse und vereinbarte einen Besichtigungstermin.

Und dann? Dann begann das Glück, sich zusammenzufügen – Stück für Stück.

# Glück Nr. 1: Der Zeitungsblick

Der Besichtigungstermin stand. Ich ging davon aus, dass sie mit dem Bus kommen würde. Zufällig warf ich an diesem Morgen einen Blick in die Zeitung – und las, dass die öffentlichen Verkehrsbetriebe streikten! Eine kurze Abstimmung, schnelle Lösung: Ich holte sie ab, sodass wir glücklicherweise rechtzeitig an der Wohnung waren. Manchmal braucht es eben nicht nur gute Beratung, sondern auch einen glücklichen Blick in die Zeitung.

# Glück Nr. 2: Die Wohnung mit Herz

Die Besichtigung war unglaublich. Die Wohnungsbaugesellschaft lässt die bisherigen Mieter:innen die Termine durchführen. Und diese Mieterin war ein Glücksfall: freundlich, offen, großzügig. Sie zeigte alles – Keller, Dachboden, jedes Detail. Erklärte geduldig alle Abläufe mit der Wohnungsbaugesellschaft. Und bot sogar an, einige ihrer Möbel in der Wohnung zu lassen. Die Wohnung war tipp-topp.

Unsere Klientin war sofort begeistert. Sie wollte diese Wohnung unbedingt haben. Wir alberten herum und malten uns aus, wie schön es wäre, wenn sie hier einziehen könnte. Wenn sie die „Queen“ dieser Wohnung wäre. Mit viel Hoffnung und ein paar Träumen verließen wir die Besichtigung – im Wissen, dass auch andere Menschen genau diese Hoffnung teilten.

# Glück Nr. 3: Die Zusage

Und dann die Nachricht: Sie hat die Zusage bekommen.

Die Schlüsselübergabe fand am 28. Februar statt. Ein Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft war da, um die Unterlagen fertig zu machen. Die bisherige Mieterin und ihr Partner machten die Übergabe. Der Hausmeister tauschte das Schloss, erklärte die Technik und erledigte letzte kleine Reparaturen. Die „Queen“ und ihre Bienen – alle waren da, alle halfen mit.

# Glück Nr. 4: Mehr als eine leere Wohnung

Die bisherige Mieterin überließ ihr für wenig Geld eine erstaunliche Menge an Einrichtung: Schrank, Lampen, Rollos, Regale, Tisch, Stühle, Fernseher, Matratze, Kochplatten, eine komplette Einbauküche mit Geräten, Teetassen, Waschmaschine, Trockner, Badmöbel. Die „Queen“ zog nicht in eine leere Wohnung ein – sie zog in ein Zuhause.

# Der Tanz in die eigenen vier Wände

Als schließlich alle gegangen waren – bis auf ihre Freundin und mich – gingen wir noch einmal in die Wohnung. Nein, „gehen“ ist das falsche Wort. Die „Queen“ *tanzte* in ihre Wohnung. Sie war so unfassbar glücklich, endlich ein eigenes Zuhause zu haben. Sie hat ihr Glück ausgekostet und ausgelebt – und es war wunderschön, das miterleben zu dürfen.

Ihre Freundin überreichte ihr ein Einzugsgeschenk: eine Tasse und, wie es in ihrem Heimatland Tradition ist, einen farblich passenden Salz- und Pfefferstreuer. Als die „Queen“ dann einen Küchenschrank öffnete, kamen zufällig Tassen zum Vorschein, die die bisherige Mieterin dagelassen hatte – und sie passten farblich perfekt zu dem Geschenk. Alles fügte sich zusammen wie Puzzleteile.

Vier Tassen stehen jetzt auf einem Regal in der neuen Wohnung. Für mich stehen sie für Glück 1, Glück 2, Glück 3 und Glück 4. Und ich wünsche mir, dass die „Queen“ noch ganz viel Glück daraus schöpfen kann. Oder besser gesagt: daraus trinken.

Tina Eichmann, WoFA Ingolstadt

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